TEDDYS TRENDS


DER MANN,
DER DAS BLOGGEN BEGANN

Who the heck
is Teddy Hecht?


tl_files/kaehler/images/inhalte/Fotos/TeddySchreibmachine.jpg

Teddy Hecht? Hm. Tja. Schwer zu sagen. Keiner weiß so recht was über ihn. Noch nicht mal ich, einer der wenigen wahrscheinlich, der Teddy überhaupt je zu Gesicht bekommen hat. Komisch eigentlich. Das Einzige, was man über den Trendforscher Teddy »Adorno«-Hecht mit Gewissheit weiß, sind diese knappen Zeilen eines Buchklappen-Textes:

»Die Alltagsreflexionen des Teddy »Adorno« Hecht erschienen erstmals in der monatlichen Kolumne »Teddy's Trends« ab März 1983 in der »Titanic«, fanden nach genau 50 Folgen im frischgegründeten Hamburger Humormagazin »Kowalski« fast nahtlos ihre Fortsetzung, endeten im Oktober 1991 nach exakt 100 Monaten und Kolumnen und wurden in ihrer abgeschlossenenen Gesamtheit von Eckhard Henscheid »nahezu ungescheut« zur »Minima moralia der Achtziger Jahre« erklärt.«
 
Ja, genau so war's. Ich hab's schließlich selbst erlebt. Im Februar 1983 trat ein junger strubbelhaariger Mann an meinen Schreibtisch in der Frankfurter »Titanic«-Redaktion und drückte mir ein Blatt Papier in die Hand. Seine knappe, krasse Art zu beschreiben, was er in den vergangenen Wochen auf der Straße und im Freundeskreis an Seltsamkeiten beobachtet hatte, gefiel mir; ich hob den Text ins Blatt, und von da an faxte mir Teddy regelmäßig jeden Monat seine außergewöhnlichen Alltagsbeobachtungen.

Solange, bis ich nach fast fünf Jahren Frankfurt und die »Titanic« wieder verließ und zurück nach Hamburg zog, und Teddy, wie er in seiner 50. und letzten Kolumne in »Titanic« schrieb, zeitgleich sich gleich von der ganzen Welt zurückzog und in ein Kloster ging: »Ja, ein altes Gelübde von mir ... ein bisschen ora et labora ... Likörchen brennen in dunklen Kellern ... mal sehen, wie die Nonnen im Kraut stehen ... und vor allen Dingen: schweigen.«
 

tl_files/kaehler/images/inhalte/Fotos/TeddySurfer.jpg
Trendsurfer Teddy Hecht: Der erste Blogger der Republik

Allerdings nicht lange. Denn kaum hatten ein paar Monate später Kollege Saalfeld und ich zurück in Hamburg unsere neue Zeitschrift »Kowalski« gegründet, da tauchte auch Teddy wieder auf und veröffentlichte in unserem Blatt erneut jeden Monat seine helle und schnelle »Teddy's Trends«-Kolumne.

Um nach weiteren genau 50 Ausgaben – ich war inzwischen Vater geworden, hatte geheiratet und mich aus der täglichen Redaktionsarbeit zurückgezogen – ebenfalls sein Leben grundsätzlich zu verändern. Indem er, wie er in seiner 100. Kolumne zum Abschied an seine Leser schrieb, mit Frau und Kind auf eine kleine Südsee-Insel zog. Sein »ganz privates Taka-Tuka-Land«. Danach habe ich nie wieder etwas von Teddy gehört.

Aber ich musste häufig an ihn denken. Und andere anscheinend auch. Max Goldt, der Teddys vorbildlich privaten Kolumnen-Stil in seinen eigenen Kolumnen zu hoher Blüte gebracht hatte, erzählte mir auf der Hochzeitsfeier von Gerhard Henschel (»Teddy Hecht hat mit seinen Trendkolumnen ein Stück deutsche Kulturgeschichte geschrieben.«), jemand habe ihm gegenüber mal damit geprahlt, dass er jener höchst geheimnisvolle Teddy Hecht sei. Worüber ich natürlich nur lachen konnte. Na herrje, das wüsst' ich aber ...
 
Und als dann das Internet zu boomen begann und plötzlich Tausende damit begannen, ihre ganz persönlichen Alltagsbeobachtungen, Ansichten und Empfindungen zu veröffentlichten, da wurde mir auf einmal klar, dass Teddy mit seinen persönlichen Trend-Beobachtungen aus den Achtzigern und Neunzigern ja eigentlich der erste deutsche Blogger gewesen war. Ja, dass Teddys in »Titanic« und »Kowalski« ja stets absolut unzensierten Texte ja so etwas wie ein allererstes Blog gewesen waren! Ein öffentliches lesbares Tagebuch.
 
Und gestern dann – Wenn man vom Teddy spricht! – erhielt ich plötzlich folgende Nachricht: 


Hi! 

Meine Insel versinkt langsam. Vielen Dank, Klimawandel.
Bin zurück in Deutschland. Und Mann, ist das seltsam hier!
Muss ich dringend mal was drüber schreiben. Hast Du noch Platz?

Wir hören voneinander!
tl_files/kaehler/images/inhalte/Fotos/TeddyUnterschrift.jpg

Unglaublich. Kaum hab ich nach all den Jahren wieder einmal einen Platz geschaffen, an dem auch ein Mann wie Teddy unverblümt sagen kann, »was gut und was scheiße ist«, schon ist er wieder zur Stelle. Seltsam. 

Aber so ist das Leben, oder? 
Oder, wie Teddy jetzt wahrscheinlich sagen würde: »So – und anders!« 
 

_______________________________________________________________________


FITNESS, FUN & FIDEO

Teddy
gegen den
Rest der Werbewelt


»Nie dürft ihr so tief sinken
von dem Kakao, durch den man euch zieht,
auch noch zu trinken!«
Erich Kästner, 1932



Hier finden Sie eine sehr spezielle Zusammenstellung aus Teddys Trendbeobachtungen und Alltags-Gruseligkeiten der Achtziger und Neunziger Jahre, denn es geht in ihnen ausschließlich um ein einziges Thema: Die Weltmacht »Werbung«. 

Sollte es Sie also beim Lesen der folgenden Zeilen manchmal mental leicht aus der Kurve tragen, dann vergessen Sie bitte nicht, dass die Werbe-Branche Ihnen schon beim Kauf pupsiger Mentholpastillen größere Nehmerqualitäten abverlangt als Teddys Scheinwerferblick auf den Wahnsinn der Welt: »Ist Teddy zu stark, sind Sie zu schwach!« ... (Ich? Zu schwach? Ha!)