GANZ SCHLIMME GESCHICHTEN
MEIN SCHRECKLICHSTES FERNSEH-ERLEBNIS
Im Bett mit
Mutter Beimer
Als ich heiratete, versprach ich meiner Frau, zu ihr zu halten, in guten, aber auch in schlechten Zeiten. Bald schon kam so eine schlechte Zeit: Meine Frau zwang mich, mit ihr zusammen aus Ehegatten-Solidarität das wohl Schrecklichste anzusehen, was sie für ihren Grusel-Geschmack im Fernsehen entdeckt hatte: Die Schauspielerin Marie-Luise Marjan alias Mutter Beimer.

Meine Frau hatte leider recht: Auch mir gruselte nicht schlecht. Um den Gründen dafür auf den Grund zu gehen, zeichnete ich eine Folge der »Lindenstraße« auf (Inhalt: Mutter Beimer macht Single-Urlaub in Paris), sah mir das gruselige Geschehen mit wachsender Gänsehaut mehrfach an und stenografierte die schrecklichsten Dialoge Wort für Wort mit.
Dann schrieb ich mir den ganzen Grusel-Kummer wieder von der Seele, schickte meine Fernseh-Nacherzählung unter dem Titel »Im Bett mit Mutter Beimer« an die »Titanic«-Redaktion und wartete auf den Knall. Doch nach Erscheinen des Heftes blieb seltsamerweise alles ruhig. Aber als diese Geschichte dann noch mal als kleines Buch erschien, brach plötzlich die Medien-Hölle los ...
Die »BILD«-Zeitung titelte blutrot »Mutter Beimer beleidigt!«, drei Tage lang klingelte mein Telefon mit aufgeregten Einladungen zu sämtlichen TV-Talkshows (für die Marie-Luise Marjan, wie mir gesagt wurde, bereits überall zugesagt hatte), ich aber blieb vorsichtshalber zu Haus. Warum? Nun ja. Wenn Sie die folgende Geschichte gelesen haben, werden Sie mich vielleicht verstehen ... (Hier lang geht's ins Bett von Mutter Beimer)
In den Medien nennt man sie schick die »Midlife-Crisis«. Durchlebt man diese Zeitspanne aber selbst, fühlt sie sich deutlich unschicker an. Bei mir war es ein seltsam resigniertes »Tja, das war's jetzt wohl«-Gefühl. Ich war Ende Dreißig und hatte alles gemacht, was ich in meinem Leben einmal ausprobiert haben wollte. Nun stand ich vor einem nie erlebten Vakuum. Und das komplette Abgehakt-Haben all meiner Träume und Wünsche ohne jeglichen fortführenden Lebensplan sowie ein fetter Liebeskummer trieben mich langsam, aber todsicher hinein in ein großes dunkles Loch.
In diesen Wochen und Monaten – leider bin ich manchmal ziemlich sentimental und selbstmitleidig – spielte ich allen Ernstes mit dem Gedanken, mich umzubringen. Mein Leben zu beenden, wenn es denn schon so offensichtlich an einem Ende angekommen zu sein schien.
Warum ich es dann nicht tat, ist eine andere Geschichte. In der ein guter Freund, der selbst in nicht nur eingebildeter, sondern in echter Lebensgefahr schwebte (Krebs), als ein echter Freund die Drecksarbeit auf sich nahm und zu mir Jammerlappen die entscheidenden Worte sprach. Das half. Und ich kam wieder auf die Beine.
Aber dass ich dann umgehend mit der folgenden Geschichte in die »Kowalski«-Redaktion trabte und sie Chefredakteur Saalfeld zur geldwerten Veröffentlichung einreichte, ist vielleicht ein besonders schönes Beispiel für das, was man mit Selbstmordgedanken eigentlich immer tun sollte: Sie detailliert aufschreiben. Sie durchlesen und darüber lachen müssen. Und dann in aller alten Seelenruhe weiter leben ... (Selbstmord-Geschichte)
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